Lange war ich nicht mehr hier. Warum nicht? Keine Ahnung. Ich war wohl einfach schreibfaul.
Nun merke ich aber, dass es dringend Zeit ist, mir alles von der Seele zu schreiben. Während der ersten Versuche habe ich den Blog ja gewissermaßen als Tagebuch und Dokumentation genutzt. Aber was will man noch detailliert dokumentieren, wenn Versuch um Versuch immer gleich nach Schema F verläuft?
So auch die 2. ICSI (dritter Versuch) im Sommer. Irgendwann Mitte Juni hatte ich Punktion von 6 Eizellen. Alle reif. 4 befruchtet. Endlich was zum einfrieren. Beim Transfer bekam ich an PU+2 einen 2- und einen 4-Zeller. Ergebnis: Negativ, wie ich bereits ab TF+9 sicher wusste. Gefühlssache. Ab ca. TF+10 weicher und offener Muttermund und an TF+12 ein negativer Clearblue.
Dann haben wir uns lange Zeit gelassen. Es war einfach viel los. Kinderwunsch war nicht mehr so wichtig. Ich war Ende Mai gekündigt worden und konnte so endlich meinen Wunsch nach Selbständigkeit erfüllen. Im September habe ich dann stolz meinen eigenen Laden eröffnet. Dementsprechend abwechslungsreich waren Sommer und Frühherbst. Konzept, Beratungen, Immobiliensuche, Bankgespräche, Warenbestellungen, Möbel aufbauen, Ware einräumen und eröffnen. Eine tolle, wenn auch stressige Zeit.
Nachdem das hinter mir lag und langsam so etwas wie ein neuer Alltag einkehrte, wurde es Zeit für den neuen Versuch. Bei meinem Termin zur Downregulierung (wieder kurzes Protokoll) erfuhr ich, dass meine bislang behandelnde Ärztin schwanger und im Beschäftigungsverbot ist. Ein toller Start! Also Wechsel zum Praxischef persönlich (der nicht gerade sanftmütig und emphatisch ist...)
Die Stimulation verlief ereignislos. Punktion an Zyklustag 19 am 14.10.2014 mit 9 Eizellen und alle reif! Ein kleiner Meilenstein. Befruchtet wurden 6. Zu unseren kleinen FeinFrostKindern vom Sommer kommen also 4 Geschwister dazu. Bei Transfer an PU+3 bekam ich einen 6- und einen 8-Zeller. "Gut entwickelt, Schleimhaut toll, leichte Überstimulation aber nicht weiter wild, alles Gute."
Die Warteschleife war unaufgeregt wie nie. Ab TF+7 stellte sich ein leises inneres Stimmchen ein: "Diesmal... Vielleicht... Bestimmt sogar..."
Ich habe mich zur Abwechslung komplett anders gefühlt als bei den vorherigen Versuchen. Schlapp, müde, antriebslos. Alles war mir zu viel, zur kleinsten Tätigkeit musste ich mich zwingen. Unheimlich anstrengend und nervig. Ich habe mich teils selbst nicht wieder erkannt. Dieser Zustand der Lethargie hielt etwa von TF+4 bis TF+8 an und entkräftete mich vollends. Das musste doch etwas zu bedeuten haben, verdammt!
Wild entschlossen, diesmal keinen Clearblue zu machen, holte mich an TF+12 die Realität ein. Schmierblutung am Abend. TF+13 weiter Schmierblutungen. TF+14 morgens vor dem Bluttest etstmals frisches Blut. Ich wusste also als ich am Nachmittag anrief, um nach dem Ergebnis zu fragen, was auf mich zukam.
Anzubine: "Der Wert ist komisch."
Ich: "Es gibt einen WERT?!"
Anzubine: "4,9. Da muss der Doktor nochmal drauf gucken."
Zwei zermürbende Stunden später, die ich mit Gedanken von "Es gibt vielleicht doch noch Hoffnung" bis "Bitte, bitte lass es negativ sein. Wenn es so losgeht will ich nicht schwanger sein..." verbrachte, rief ich erneut an.
Eine andere Azubine: "Es war ja negativ"
Ich: `???`
Azubine: "Sie sollen alle Medikamente absetzen. Keine Kontrolle mehr nötig."
Ich: "Hat er was gesagt, woher das HCG kommen kann?"
Azubine: "Wird wohl vom nachgespritzten Predalon sein."
Fazit: Komischer Versuch mit einem Negativ am Ende, das für mich kein echtes Negativ ist. Ich hatte noch NIE einen WERT. Predalon knusper ich innerhalb einer Woche locker auf. Da war noch NIE was übrig! Ich werde es nie erfahren, aber vielleicht war ich für ganz kurze Zeit wirklich schwanger.